Not Praying in Auschwitz

Inger-Kristina Wegener:

April, 19th, The day of the Warsaw Ghetto uprising and April 27th, Holocaust Remembrance Day – in memory of Janusz Korczak, 1878, Warsaw – 1942, Treblinka. I also remember my friend Jacob Lofman, 1911-2002, a Polish-born photojournalist and an intellectual force who maintained a lifelong interest in Jewish history and culture, a man who was kind and generous enough to share some of his memories and wisdom with me, a German expatriate at the time we met (1997). Jacob would have liked this article “Not Praying in Auschwitz”. Thank you, Jacob, it was a true privilege to sit in your kitchen and have tea with you.

Originally posted on The Bully Pulpit:

Primo Levi

“Like Amery, I too entered the lager as a nonbeliever, and as a nonbeliever I was liberated and have lived to this day. Actually, the experience in the lager with its frightful iniquity confirmed me in my non-belief. It prevented, and still prevents me from conceiving of any form of providence or transcendent justice: Why were the moribund packed in cattle cars? Why were the children sent to the gas?

I must nevertheless admit that I experienced (and again only once) the temptation to yield, to seek refuge in prayer. This happened in October 1944, in the one moment in which I lucidly perceived the imminence of death: when, naked and compressed among my naked companions with my personal index card in hand, I was waiting to file past the ‘commission’ that with one glance would decide whether I should go to the gas chamber or was instead strong enough to go…

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Potsdam, royal gardens

Foto 5on a green bench in the royal gardens in potsdam, the remnant of a shadow, watches pleased, very pleased indeed,  two fools talking the day away, urgently weaving their voices together, staring distractedly into the glimmering brook, laughing, disagreeing, reconciliation following suite like the sun breaking through clouds, ignoring the ticking of the small silver watch, but the remnant fingers his watch with a grin, time has no meaning and no hold for 11973 seconds and then, on fast forward, returns with a deafening rush.

Jacob Lofman

Er wartete in der geöffneten Tür, wobei er sich einige Momente gedulden musste. Der Hund bewegte sich ohne Leine und mit gesenkter Nase im Zick-Zack über den Gehweg. Endlich kamen alle drei zur Tür, und Jacob beeilte sich, sein vom Warten ein wenig erstarrtes Lächeln wiederzubeleben. Guten Abend, meine Herrschaften, sagte er, das milde Erstaunen in ihren Gesichtern genießend. Die Frau belohnte seine Anstrengung mit einem abwesenden Lächeln und einem leicht britisch gefärbten “Good evening” (als sähe sie freundlich über seinen faux-pas, sie auf Deutsch anzusprechen, hinweg), während der Mann, ebenfalls nur mäßig interessiert, den Gruß auf Deutsch erwiderte. „Guten Abend, Sie sprechen Deutsch“, nicht fragend, nicht ermutigend.

„Sie sind überrascht, nicht wahr“, sagte Jacob dennoch, „ja, Sie sind überrascht. Sie kommen doch aus Deutschland. Berlin, nicht wahr?“

„Ja“, bestätigte der junge Mann. – „Ich kenne Berlin“, sagte Jacob, „aber das ist lange her.“ „ Sie sind ja noch jung“, fügte er hinzu.

Er stand im Türrahmen. Der Hund drängte sich an ihn und wedelte mit dem Schwanz. Die Frau lächelte immer noch und übernahm die Tür. Jacob ignorierte die unausgesprochene Aufforderung, Platz zu machen, und lachte. „Ja, sie sind jung und wissen nichts, nicht wahr. Die jungen Leute von heute haben keinen Sinn für Geschichte, no time, no interest, right. Wissen Sie denn zum Beispiel, wo das Gründungstreffen der sozialdemokratischen Partei in Deutschland stattgefunden hat? Wissen Sie? Das müssten Sie doch eigentlich wissen als Deutsche“. „Eisenach“, erwiderte der Mann. Der Hund drängte sich ungestüm an Jacob vorbei in den Vorflur. Jacob gab nach und trat aus dem Weg. „Ja, sieh einer an“, sagte er, „sieh einer an“. Er folgte den jungen Leuten ins Haus. Zusammen standen sie für einen Augenblick schweigend vor dem Aufzug.

. „I saw the movers bring in your book shelves yesterday“, sagte Jacob schließlich, um das Gespräch wiederzubeleben. „You must have brought many books“. „All of them“, erwiderte die Frau, jetzt mit stärker ausgeprägtem, deutschem Akzent. „I wouldn’t want to be without them“. Sie schwiegen erneut. Der Aufzug kam und sie drängten sich umständlich hinein. Jacob drückte fünf und sieben. „Thank you“, sagte der Mann höflich. Jacob ließ sich durch die Förmlichkeit nicht aus der Ruhe bringen. Jetzt hatte er noch fünf Stockwerke, um etwas in Erfahrung zu bringen, das Madison noch nicht wusste. „Ich bin Jacob Lofman“, eröffnete er das Gespräch als sich der Aufzug mit einem schwerfälligen Ruck in Bewegung setzte. „Ich lebe hier seit vierzig Jahren. Wenn Sie was brauchen, müssen Sie mich fragen. Fünfter Stock. Ich habe immer Zeit. Meine Frau, Rivke, ist im letzten Herbst gestorben. Jetzt habe ich viel Zeit“. Er schwieg. Der Aufzug kam abrupt zum Stillstand. Die Metalltüren knirrschten zurück. Jacob öffnete die äußere Tür.

„I am sorry“, sagte die junge Frau, das tut mir wirklich leid. Jacob schluckte. „Ja“, sagte er langsam, unwillig die Tür gehen zu lassen, „jetzt müssen Sie mir aber auch Ihren Namen sagen, und wer ihr Lieblingsschriftsteller ist, wo Sie doch all diese Bücher mitgebracht haben“. „Heine“, erwiderte die Frau eine Nuance wärmer, „und mein Name ist Imogen, und das ist mein Mann Andreas“. Andreas nickte mit dem Kopf. Imogen überlegte einen Augenblick und fügte hinzu: „Und Nabokov, natürlich. Speak, Memory, I love Speak, Memory“. Der Mann, der als Andreas vorgestellt worden war, sah nicht aus, als wolle er seine literarischen Vorlieben mitteilen. Der Köter hechelte in der unklimatisierten Aufzugkabine. In einem anderen Stockwerk begann jemand, mit einem Schlüsselbund gegen die Aufzugstür zu klappern. „No time“, seufzte Jacob, „time is money for you young people, right?“ Er konzentrierte seine Bemühungen auf die junge Frau, Imogen. „Nabokov“, erwog er, das metallische Stakkato, das durch den Aufzugsschacht schepperte, ignorierend, „Nabokov is good, of course, very good, but Heine, why, meine Frau liebte Heine, meine Frau knew Heine by her heart. Heine, das ist ausgezeichnet“, strahlte er. Das Scheppern wurde dringlicher. „Sie müssen kommen“, drängte Jacob, „kommen Sie zum Tee. Jederzeit. Anytime. Auch allein. 5F“. Er lächelte, seine Augen hinter fetten Eulengläsern blitzten. Er hatte seine Niedergeschlagenheit vergessen. „Heine“, ausgezeichnet, lachte er zufrieden.

Jemand schlug mit der Faust gegen die Aufzugtür, dass es dumpf im Schacht hallte, und begann vernehmlich zu fluchen. Jacob seufzte. „No time, right“, murmelte er. „Ich lasse Sie jetzt gehen, Sie können ja nicht den ganzen Verkehr aufhalten. Kommen Sie lieber zu mir nach Haus, 5F, kommen Sie zum Tee“, rief er, während die Aufzugstür zufiel, und die Metalltüren zuknirschten.

„Heine, ganz ausgezeichnet“, rief Jacob in den leeren Hausflur und drückte auf den Knopf, um den Fahrstuhl zu zurückrufen und sich endlich auf seinen Abendspaziergang zu begeben. Vielleicht würde er dem alten Madison im Park begegnen.

First Amendment questions, excerpt from my new novel in writing

Thomas_Jefferson_by_Rembrandt_Peale,_1800

“Why wouldn’t they?” Fiona retorted. “Doesn’t everybody crave freedom? Every single person? And especially those who are bound by a contract to obedience?” I gave this some thought. I wasn’t sure. That everybody craved freedom, was that really self-evident? Freedom … Continue reading