Das war die NordArt 2012 für mich – ich freue mich auf die NordArt 2013!

NordArt 2012: Quantenphysik trifft Buddhismus

von Inger-Kristina Wegener, rechtsanwalt-kunstrecht.deBild

Oh, East is East and West is West, and never the twain shall meet.. Rudyard Kipling

Rudyark Kiplings klagendes bonmot – die Kuratoren der NordArt 2012 könnten es als inoffizielle Herausforderung betrachtet haben. Dass es eines Entwurfes bedarf, um die Voraussetzungen für die Realisierung einer Ausstellung zu schaffen, wird wohl auf allgemeine Zustimmung treffen. Dass, mit anderen Worten, eine Ausstellung erst erdacht, gedacht, werden muss, bevor sie Gestalt annehmen kann, mag daher als Gemeinplatz erscheinen. Wie aber sieht es aus, wenn man sich mit dem Gedanken auseinandersetzen wollte, dass sowohl der Entwurf als auch die realisierte Ausstellung nur einen Organisationsprozess von Daten darstellen, die sowohl den individuellen als auch den sozialen Konsens hinsichtlich der Existenz dieser Ausstellung vorwegnehmen und schließlich implementieren? Und dass sich die materielle Existenz dieser Ausstellung in eben dieser Datenorganisation auch schon erschöpfe? An derart komplexen Ideen konnte sich der Besucher der NordArt 2012 in dieser Saison messen und vergnügen.

Wird die Bereitschaft des messenden Bewusstseins zur Anerkennung eines bestimmten Ist-Zustandes des Objektes aufgekündigt, entfällt die illusionäre Realität der Materie, und der massive, schwarze Torbogen aus norwegischem Granit des deutschen Künstlers Dorsten Diekmann etwa wird zum Torweg nicht nur im symbolischen, metaphorischen Sinne, sondern im Wortsinne zur Aufforderung, den Durchgang durch das magmatische Tiefengestein in eine alternative Realität, eine Spiegelwelt, zu wagen.

Nicht nur über den Umweg nach Kassel zur dOKUMENTA (13) in das quantenphysikalische Laboratorium des österreichischen Quantenphysikers Prof. Dr. Anton Zeilinger im Fridericianum ließ sich bei dem Gang über die NordArt 2012 nachvollziehen, dass fast alles, was unsere alltägliche Auffassung uns über den Zustand unserer Umwelt kommunizieren will, schlichtweg fehlerhaft ist, allem voran unsere Vorstellung über die Eigenschaften der Materie. Die Videoinstallationen des Kanadiers Dan Hudsons verwiesen in ihrer Tonspur auf Werner Heisenberg und andere Pioniere der Quantenphysik (Materie ist organisierte Leere um einen Kern von Wahrscheinlichkeiten von Anwesenheit), die Arbeiten des deutschen Jo Kley (Dragon Line, Soll und Haben) auf mythologische Vorstellungen von Bruchstellen und Übergängen zwischen dieser Welt und anderen Räumen (das Nichts hat Eigenschaften). Um den Bogen abzurunden, buchstabierten 33 Künstler aus China in der Sonderausstellung „Formen des Formlosen“ in prozessorientierten Arbeiten nach, dass der Buddhismus mit diesen Konzepten (das Messinstrument entscheidet über die Position des Photons = Quantenphysik, erst im messenden Bewusstsein manifestiert sich die Welt = Buddhismus) seit jeher vertraut ist. Wer im Bereich „einfacher Mathematik“ Einsteins Kosmologie-Prinzip nachvollziehen wollte (bei einer endlichen Anzahl von Partikeln und einer mathematisch jedenfalls an Unendlichkeit heranreichenden Ausdehnung des Universums muss sich jegliche physische Realität früher oder später wiederholen – jene des Besuchers eingeschlossen, das berühmte Imelda-Beispiel), konnte dies in den von der Gleichförmigkeit des Zufalls geprägten Rotationsbildern des chinesischen Künstlers Meng Luding ebenso nachvollziehen wie an der verschlungenen Stahlsphäre des US-Kanadiers Bernard Hosey, dessen massive Arbeit „CrissCross“ aus einem einzigen U-Träger gebogen war und auf die ewige Wiederkehr jeglichen Prozesses verwies. Ost did meet West indeed, Mr. Kipling. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg vom überholten Newtonschen Weltbild zu einem quantenphysikalisch geprägten Verständnis des Universums und den atemberaubenden Einsichten, die mit diesem Wechsel einhergehen. KünstlerInnen und Kuratoren der NordArt überraschten in dieser Saison mit dem Angebot , dieses veränderte Weltbild anschaulich nachzuvollziehen und – zumindest für Augenblicke – zu begreifen.

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