Johari-Fenster, David Hockney, Carlos Castaneda – ein Zeitspiegel

IMGP1041Es mag sein, dass es wesentliche Diskrepanzen zwischen der Eigen- und Fremdwahrnehmung geben mag, aber das bedeutet nicht, dass die Fremdwahrnehmung notwendiger Weise eine von der Eigenwahrnehmung überhaupt unterscheidbare  Wahrnehmung einer Person ist. Joseph und Harry’s (Joseph Luft and Harrington Ingham’s) Theorie, dem sogenannten Johari-Fenster (Johari-window) mangelt es an Beweglichkeit. Das “Bild eines Menschen”, gleich ob Selbstbild oder Fremdbild, eine solche Vorstellung setzt bereits sprachlogisch einen Betrachter voraus. Ein Betrachter, der Natur der Betrachtung folgend, nimmt einen spezifischen Standort ein und sein oder ihr Urteil bezieht sich auf das von dieser Perspektive aus Ersichtliche, Sichtbare. Die Diskrepanz in der Betrachtung zwischen der betrachteten Person und dem Betrachter erklärt sich bereits aus dieser Unterschiedlichkeit des Standortes, ohne dass dies logischer Weise den Schluss zulässt, dass eines der Bilder zutreffender oder umfassender wäre. Es ist interessant: wenige Zeit später begreift der Künstler David Hockney, dass die statische Abbildung eines physischen Zustandes immer illusionär bleiben muss, Spiegelspiel – und deshalb bewegt er sich um den abzubildenden Gegenstand herum, während er ihn abbildet.Das Resultat ist eine Annäherung an den gesuchten Wert, ähnlich wie die Bestimmung der Fläche eines Kreises, und die unterschiedlichen Beobachtungen von unterschiedlichen Standorten gehen in eine organische Gesamtabbildung ein, deren wesentlicher Charakter eben das eine ist: Annäherung an einen gesuchten Wert. Zu etwa der gleichen Zeit steigt Carlos Castaneda aus seiner betrachtenden, von den Erfahrungen im englischen Common Wealth ebenso wie den Reisen des Alexander von Humboldt  immer noch geprägten objektiv-imperialistischen  Menschen- und Kulturbeschreibung seines Fachbereiches Anthropologie aus und versucht sich an einer ganz neuen, kreativen Art der Menschenerforschung ebenfalls von der Idee der Beweglichkeit und Veränderbarkeit des Standortes inspiriert. Ich wiederum meine, dass es keine Unterscheidbarkeit von Fremd- und Eigenbild gibt, sondern dass das Ich, ewig fragiler, elusiver Zustand, unterschiedliche Standpunkte einnimmt, und – soweit es um das Fremdbild, das von einem außerhalb seiner selbst liegenden Standort wahrgenommene, personenbezogene Bild geht –  tatsächlich eine Art holografischer Annäherungsprojektion ist.

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