Denn die Gesellschaft, die ihre Kindern keine Freiheit lehrt, wird keine Freiheit kennen.

Art. 12 der UN-Kinderrechte

Art. 12 der UN Kinderrechtskonvention: Du hast das Recht, Deine eigene Meinung mitzuteilen. Die Erwachsenen müssen das, was Du sagst ernst nehmen. Auch Richter müssen Dich anhören, wenn Du betroffen bist.

Die Magna Charta Libertatis der Kinderrechte

(Eröffnungsrede zur Ausstellung MONSTER.KUNST.KINDER.RECHTE im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, BMJV, am 3. Juli 2015. Ausstellung 3. Juli – 26. August 2015)

Kinderrechte sind Schutzrechte.

Der Vater der UN- Kinderrechte, Janusz Korczak, hat darüber hinaus gefordert, dass Kinder nicht nur Schutzrechte brauchen. Er hat gefordert, den Kindern im Rahmen einer Magna Charta Libertatis dieselben wichtigen, politischen, Rechte zur Lebensführung einzuräumen, wie sie für die Erwachsenen gelten.

Dazu gehört zunächst, anzuerkennen, dass Kinder schon sind, das sie schon vollwertige Menschen sind und nicht erst zu solchen werden.

Sie müssen deshalb das Recht haben, ihr Leben selbst zu gestalten. Für Korcak gehörte dazu das Recht darauf, eigene Erfahrungen zu machen, ernst genommen zu werden und auch: eigene Fehler zu machen. Ohne Fehler kann man nämlich nicht lernen. Wer nur trainiert wird, Fehler zu vermeiden, dem wird die Freude der Entdeckung und des Lernens ganz vorenthalten. Das darf nicht sein, denn es liegt in der Natur des Menschen zu lernen.

Ganz konkret heißt das, dass Schule, Eltern und BetreuerInnen Raum für Fehler lassen müssen. Nicht alles, was ein Kind sagt und ausprobiert, darf bewertet werden. Erwachsene vergessen, dass sie mit gutem Recht in ihrem eigenen Leben eine solche Kontrolle ablehnen – und dass das Gesetz, das Grundgesetz, ihnen diese Freiheit garantiert. Das darf für Kinder nicht anders sein.

Kinder haben das Recht, Fehler zu machen.
Kinder haben das Recht, selbst zu bestimmen, was für Fehler sie machen wollen. 
Kinder haben das Recht, mit Achtung und Liebe behandelt zu werden, auch wenn sie viele Fehler machen. Auch wenn sie keine guten Noten schreiben.

Kinder ernst zu nehmen, das heißt für die Erwachsenen auch, zu erkennen, dass Kinder und junge Menschen oft einen klaren Blick haben.

Erwachsene müssen bereit sein, von den Kindern in ihrem Leben zu lernen. Das bedeutet, dass auch Erwachsene den Kindern aufmerksam zuhören und wägen müssen, was diese sagen. Das bedeutet, dass Erwachsene erkennen, dass auch Kinder Kompetenzen, Wissen und Einsichtsvermögen besitzen, welche die Erwachsenen nicht haben.

Es ist eines der Geheimnisse des Erwachsenenlebens, dass es einem so viele Zugeständnisse abfordern kann, dass man die wichtigen Dinge nicht mehr sieht. Das Seltsame ist, dass Kinder oft mutiger sind als Erwachsene, auch, dass sie oft einen ausgeprägteren Sinn für Gerechtigkeit besitzen als Erwachsene.

Es ist für Erwachsene – oft aus Sorge um ihr Kind – schwer anzunehmen, dass Kinder eigene Wege gehen wollen und müssen.

Deshalb ist es für Kinder sehr wichtig, Nein zu sagen zu den Wünschen der Erwachsenen. Und es ist für Erwachsene wichtig, zu lernen, ein solches Nein mit Würde zu akzeptieren.

Kinder haben das Recht, Nein zu sagen.

Es ist noch schwerer, ohne Herablassung und Sentimentalität zu erkennen, dass uns dieser unverstellte Blick der Kinder manches über die Erwachsenenwelt sagt, dass wir als Erwachsene gerne abschwächen möchten, weil es nicht sehr schmeichelhaft für uns ist.

Wenn unsere Kinder uns fragen, warum andere Kinder mit ihren Eltern in kleinen Booten über das Meer fliehen müssen, möchten wir am liebsten mit einiger Überlegenheit sagen: das ist nicht so einfach, glaube mir, das verstehst Du noch nicht. Aber wenn wir aufrichtig sind, müssen wir sagen, dass wir Erwachsene zuweilen furchtbare Fehler machen, vieles selbst nicht gut genug verstehen, bequem und oft nicht mutig genug sind und nicht genug Fragen stellen.

Kinder haben das Recht zu wissen, dass Erwachsene Fehler machen.
Kinder haben das Recht, von den Erwachsenen zu erwarten, dass sie sich darum bemühen, diese Fehler auszuräumen und wieder gut zu machen.

Janusz Korzcak hat auch davon gesprochen, dass Kinder das Recht auf den heutigen Tag haben. Das heißt, dass ihnen eigene Zeit zum Leben bleiben muss, jeden Tag. Zeit, die selbst gestalten werden kann. Wir sprechen nie davon, denn es ist ein Tabu: auch für ein Kind ist das Leben am nächsten Tag, in der nächsten Stunde, nicht garantiert, deshalb muss es bereits heute das Recht haben, das Leben wirklich zu leben, es darf damit nicht auf später vertröstet werden.

Kinder haben deshalb auch das Recht darauf, die Schönheit und Geheimnisse der Welt zu entdecken und die wilde Freude darüber, lebendig zu sein.

Janucz Korczak betonte daher, dass Kinder das Recht haben, Kind zu sein. Unordnung zu stiften. Zu lachen. Laut zu sein. Schmutz zu machen. Unbequem zu sein. Zu denken.

Kinder haben daher ein Recht darauf, dass Räume erhalten bleiben, in denen dies überhaupt möglich ist.

Räume, in denen die Kinder willkommen sind und ernst genommen werden. Räume in öffentlichen Gebäuden, die Kindern und jungen Menschen gewidmet sind und in denen sie sich angstfrei und geschützt aufhalten können, insbesondere dann, wenn in sie in diesen Gebäuden auf Entscheidungen warten oder an Entscheidungen mitwirken müssen, die sie betreffen.

Zuletzt muss ich darauf hinweisen, dass wir Erwachsenen den Kindern diese Rechte – weltweit – nicht aus reiner Großzügigkeit einräumen, sondern weil wir uns wünschen, dass unsere Kinder, die Erwachsenen von Morgen, sich für eine freie, gerechte und friedliche Welt einsetzen werden, eine lebenswerte Welt.

Denn die Gesellschaft, die ihre Kindern keine Freiheit lehrt – und das geht nur durch Handeln – wird keine Freiheit kennen.

Wer als Kind nicht mit Respekt behandelt wurde, wird es später schwer haben, andere mit Respekt zu behandeln. Wer als Kind nicht offen geliebt wurde, wird es später schwer haben, Wege zu finden, Liebe zu zeigen.

Wer als Kind ungehört blieb, wird vielleicht später Gerechtigkeit außerhalb des freien, demokratischen Systems suchen, das keinen Platz für die Fragen des jungen Menschen hatte.

Und daher benötigen wir diese Rechte nicht nur auf dem Papier: denn das Gesetz ist wie eine Partitur, die sich erst entfaltet, wenn sie gespielt wird.

Wir dürfen uns daher nicht damit zufrieden geben, dass wir diese Rechte niedergeschrieben haben, wir müssen sie auch leben und ausfüllen.Wir müssen sie zuallererst auch in unserer Erwachsenenwelt glaubhaft darstellen.

Und das kann auf Seiten der Erwachsenen nur dadurch geschehen, dass sie sich nicht nur an den Buchstaben, sondern auch an den Geist halten, der die UN Kinderrechts-Konvention ins Leben gerufen hat, und die Worte der Konvention entlang von Begriffen auslegen, mit denen sich die Juristen infolge ihrer Unbestimmtheit manchmal schwer tun, aber ohne die es kein gerechtes Gemeinwesen und keine gerechte Gesellschaft geben kann:

Liebe, Vertrauen, Respekt und Vernunft.

Alles andere folgt.
Diese Rechte gelten für alle Kinder. Art. 1 UN Kinderrechtskonvention

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