Zur Natur des Rats der Könige und Kriegstreiber – on the nature of the council of kings and warmongers

Zur Natur des Rats der Könige und Kriegstreiber – on the nature of the council of kings and warmongers

  Once they realized that there was not one king or one queen, but a succession of kings and queens each of whom was “the” king or “the” queen regardless of their individual identity, so that in fact, the king … Continue reading

deep blue pride / from my new novel (nasciturus pro iam nato habetur, quotiens de commodius eius agitur)

IMG_2442One day Aunt Melissy, Uncle Joe and a I had been invited to an assembly on a Sunday after church to the church elder and his wife. The men and boys were gathering in the meeting hall of the church while the womenfolk were expected to assemble at the church elder’s house. His wife was entertaining us with cake and good strong smelling coffee in her dining room that was big enough to fit at least twenty people at the table and then some around the benches placed at the wall. Even at such a gathering  there was no idle chatter but the women discussed who in the community was in need of support or charity and how the community should cooperate to provide it. The girls were clearly as bored as any girl at any time would have been even though I was sure they were working as hard and obediently as I was. We were all seated alongside the wall on the benches, holding on to our mugs and a piece of cake. I exchanged glances with a girl about my age who was seated across the table at the other wall. The girl seemed strangely familiar but I could not place her face. She was dressed just a bit prettier than the other girls and in fact she was a bit prettier than everybody else.  After we had finished our coffee she got up, left the room and returned with a tray to collect our mugs and the dishes we had been balancing on our knees. When she took mine she made a funny face at me, and the girl next to me giggled. I couldn’t tell whether she had been laughing at me or about me but the pretty girl had already filled her tray and carried it out of the room. When she came back into the room she did not reclaim her seat on the bench but stood next to the state elder’s wife, her hands neatly folded in front of her apron and  waiting to be allowed to address the woman sitting at the table. Finally, her mother decided to look up and notice her. As soon as her eyes found her daughter’s smile you could see the smallest glimpse of pleasure and pride you will ever catch in another person’s face. I looked at Aunt Melissy. Nothing much escaped her sharp birdlike eyes and, sure enough, she was squinting her eyes in the familiar way she displayed only when she was alarmed by some misbehavior while observing elder’s wife intently. The lady was well trained though and the moment of satisfaction with her daughter’s beauty and well-displayed training had passed quickly and had been replaced with the usual sober inquiry she met everyone in her church with, never letting on that she was the first lady of the community. I think that in this moment though I knew that behind all of this admirable display of virtue people were as they are through all times – well meaning at their best, proud and ambitious underneath, full of insecurity and doubt. Maybe even Aunt Melissy knew some of these feelings. I looked at her. Nah, not Aunt Melissy, I corrected myself. Maybe every hundred years or so somebody came along who was actually virtuous and good to a fault. In this room I knew this one person not to be the church elders’ wife  but Aunt Melissy.

Die Banalität der Zeit als Gegenwart (aus dem Roman: Nachtwachen)

Die Banalität der Zeit als Gegenwart

Stamp Hannah Arendt

Stamp Hannah Arendt (Photo credit: Wikipedia)

Den Großvater zu verstehen heißt nicht zwangsläufig, eine ganze Generation zu verstehen, heißt nicht, Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus zu verstehen. Aber dennoch scheint es K unausweichlich, auch nach ihrem eigenen Großvater zu fragen. Seit der Lektüre von Hannah Ahrendts Buch “Die Banalität des Bösen”, das sie während ihrer Seminararbeit zum Fall Eichmann  studiert hatte, hatte sie die Idee verfolgt, gerade dem Banalen, der Alltäglichkeit  in der Biographie ihres Großvaters nachgehen zu wollen. Wobei sie nicht notwendigerweise nach der Alltäglichkeit des Bösen in der Biographie des Großvaters suchte, sondern eher nach der scheinbaren Bedeutungslosigkeit alltäglicher Entscheidungen oder dem kumulativen Effekt vieler scheinbar banaler Entscheidungen zu einem unveränderlichen, verheerenden Ganzen, eben nach der Banalität der Zeit, wenn sie als Gegenwart daher kommt, und vielleicht auch nach ihrer Gewichtigkeit, wenn sie vergangen ist. Nach der banalen Abfolge von als Anekdoten und Geschichten wiedererzählten Ereignissen, die angeblich die Entscheidung für die NSDAP vor 1933 als ein nahezu natürliches Ereignis erscheinen ließ. Weltwirtschaftskrise. Hunger. Hoffnung. Aufrüstung. Krieg. Erzählt in Ereignissen der einzelnen Tage, während derer sie sich zutrugen.

Sie suchte auch nach einer Erklärung danach, warum unter denselben Umständen einer zum Dieb wird und der andere ein ehrlicher Mensch bleibt. Warum Gottfried Benn und ihr Großvater den Nationalsozialisten vorauseilenden Gehorsam geleistet hatten und Klaus Mann die mörderischen Absichten der Partei hingegen von Beginn an verstanden und verabscheut hatte. Die Frage, die sich ihr letztlich stellte, war, ob ihr Großvater nicht doch in die NSDAP eingetreten war, eben weil er das Parteiprogramm und die Absichten der Nationalsozialisten sehr wohl verstanden hatte und sie mit zu tragen bereit gewesen war. Sie wollte verstehen, was den Großvater dazu bewogen hatte, bereits 1931 in die NSDAP einzutreten. Das 25 Punkte Programm der 1922 von Preußen und anderen deutschen Ländern auf Grundlage des Republikschutzgesetzes verbotenen NSDAP hatte als Programmpunkt die Entrechtung der Juden durch den Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft  schon enthalten.

K entsinnt sich des späten Bekenntnisses des Großvaters , “man habe den Juden Unrecht getan, auch wenn sie keine Deutschen waren. “Dem Wertheim, zum Beispiel,” hatte er anerkennend gesagt,  “das war ein ganz ausgezeichneter Geschäftsmann.”  Noch über vierzig Jahre später hatte er nicht sehen können oder wollen, dass die in Deutschland verfolgten Juden Deutsche gewesen waren. “Die Nationalsozialisten haben den Juden in Deutschland doch die deutsche Staatsbürgerschaft überhaupt erst entzogen.” hatte sie eingeworfen. “Das musst Du als Juristin doch einsehen, Katja,” hatte der Großvater erwidert, “Es war ja ein wirksames Gesetz, auch wenn es manchen nicht gefiel, aber Gesetz war es doch.”

K konnte dem Großvater höchstens zu Gute halten, dass er sich  nie mit der Floskel verteidigt hatte, “man habe von all dem doch gar nichts gewusst.” Vielmehr hatte er, allerdings auch unter Verwendung des neutralen Infinitivpronomens, gesagt: ” Man habe sich geirrt.” Als habe es sich um einen Rechtschreibfehler gehandelt. Ein Aktenversehen. Und eben: “Das kann Deine Generation gar nicht mehr verstehen, Katja.” Und dann hatte er das Thema gewechselt und wieder aus seiner Kindheit als Lehrersohn erzählt.

Erst jetzt, mit dem Abstand von zehn Jahren seit dem letzten Gespräch, mit dem Abstand des Todes, der zwischen ihnen liegt und der sich weitet wie ein Fluss, der über die Ufer tritt, und dessen anderes Ufer schwerer und schwerer erkennbar wird, erst jetzt, mit dem Abstand von einem Kontinent und einem Meer, kommt es ihr in den Sinn, dass in diesen Geschichten aus dem Dorf, den Geschichten von dem Jungen Nick Rieper vielleicht etwas von dem Alltäglichen der Zeit zu finden ist, das sie damals vergeblich aufzuspüren versucht hat.

Anne Franks Tagebuch im Schulunterricht

Signature of Anne Frank

Signature of Anne Frank (Photo credit: Wikipedia)

Mein Beitrag zu einer blog-Diskussion über die Lektüre des Tagebuches der Anne Frank im Schulunterricht:

Wer das Tagebuch von Anne Frank ausschließlich als verstörendes Beispiel für die Geschichte eines Opfers der Nationalsozialisten ansieht und es deshalb als unzumutbare Lektüre für Kinder  im Schulunterricht ansieht, hat es wahrscheinlich nicht gelesen. Ja, das Buch kann sehr traurig machen. Aber die Lektüre verstört nicht. Sie verleiht einer dunklen Zeit ein menschliches Gesicht.

Es ist richtig, Anne Frank wurde von dem Nationalsozialisten verfolgt und ermordet. Kinder lesen die Aufzeichnungen Annes in dem Wissen, dass die Autorin niemals erwachsen werden durfte, dass Anne Frank in einer Zeit lebte, in welcher in Deutschland und den Ländern, die Deutschland besetzt hielt,  selbst Kinder verfolgt und getötet wurden. Dennoch haben drei Generationen von jungen Menschen dieses Buch quasi als Gegengift zu der Verzweiflung gelesen, die mit dem Bewusstsein einhergehen kann, was Menschen einander antun können. Dies gilt insbesondere für Kinder in Deutschland, die begreifen, dass dies die Geschichte ihres eigenen Landes ist.

Anne starb in Bergen-Belsen an Typhus. Die Verhältnisse, unter denen sie eingesperrt und untergebracht worden war, machen ihren Tod zum Mord. In Annes Tagebuch lesen wir dennoch nicht von Hass und Vergeltungssucht, obwohl die Aufzeichnungen in dem klarem Verständnis der Gefahr geschrieben wurde, in dem die Autorin und ihre Familie in ihrem Versteck in Amsterdam leben mussten. 

Wir werden vielmehr Zeuge, dass ein sehr junger, sehr begabter Mensch sich auch in der dunkelsten Zeit deutscher und europäischer Geschichte die Liebe zum Leben und ihre Wünsche für ihre eigene Zukunft zu bewahren verstand. Wir lesen, dass ein junges Mädchen sich trotz höchster Not von einem Fleck Sternen besätem Nachthimmels, erspäht aus der Enge ihres Verstecks, verzaubern lassen konnte. Wir lesen von Lebensmut und Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit. Und das ist der Grund, warum dieses Tagebuch nach all diesen Jahren immer noch und immer wieder gelesen wird – und warum es eine geeignete Schullektüre ist.

Das Tagebuch der Anne Frank spricht davon, wer Menschen sein können, gerade auch junge Menschen. Es spricht davon, dass ein Mensch in den dunkelsten Tagen Liebe und der Hoffnung empfinden und sie auch an andere weiter geben kann. Wer an den Menschen verzweifelt, wer an der deutschen Geschichte verzweifelt, wende sich an dieses Buch. Es zeigt in klarer Sprache, dass wir die Wahl haben, zu sein, wer wir sein wollen.

Anne Frank, Dietrich Bonhoeffer, Sophie Scholl, Victor Klemperer haben sie sich ihre menschliche Stimme, ihre Gefühle und Würde auch in der Verfolgung nicht nehmen lassen. Auch dies lässt sich aus der Geschichte Deutschlands lernen – auch dies ist Teil unserer Geschichte.

Dass einzelne Menschen, unter ihnen sehr junge Menschen wie Anne Frank und Sophie Scholl, nicht mit Hass sondern mit fragendem Verwundern auf diejenigen reagierten, die sie verfolgten, darf uns mit dem, was Menschen vermögen, versöhnen, auch wenn es uns auferlegt, dass wir uns mit diesem Teil unserer Geschichte niemals aussöhnen dürfen. Es war Finsternis in jener Zeit – aber es gab auch Licht.  Dass uns gerade von denen, die verfolgt wurden, Stimmen der Menschlichkeit überliefert sind,  zeigt uns und unseren Kindern einen Weg aus der Verzweiflung über unsere eigene Geschichte.

Unseren Kindern im Schulunterricht oder zu Hause das Tagebuch der Anne Frank zu geben, und es ihrer Stimme zu überlassen, zu beschreiben, wer wir als Menschen sind und wer wir sein können, ist für mich vor allem anderen nicht nur eine Geste der Bewunderung für den unfassbaren Mut, der in Anne Franks Worten klingt, einen Mut, den ich auch meinen eigenen Kindern und Schülerinnen und Schülern wünsche,  mögen sie niemals solche Zeiten erleben, sondern auch eine späte Erfüllung von Annes Wunsch, eine ihrer Begabung entsprechende Schriftstellerin zu werden und nachfolgende Generationen zu berühren und zu beeinflussen.

Ich glaube, dass es nach der Lektüre von Anne Franks Tagebuch möglich ist, sich in Angesicht von Anne unerschütterlichem Lebensmut unserer Geschichte, der deutschen Geschichte, anzunehmen, auch dort, wo sie unerträglich ist, sie nicht zu verleugnen, sie weiter zum Gegenstand unserer Betrachtung zu machen. Sie nicht zu vergessen, die Menschen, die unter den Nationalsozialisten verfolgt wurden, nicht zu vergessen. Nicht zu wünschen, dass dieser Teil unserer Geschichte vergessen werde,  nicht zuletzt auch, weil das hieße, das diese Menschen in Vergessenheit gerieten. Ich möchte glauben, dass dies möglich ist.

Mehr Mut als der, zu unserer Geschichte zu stehen, aus ihr zu lernen, ist von uns, den nachfolgenden Generation, derzeit nicht verlangt. Mut, in unserer Zeit zu wirken, zum Beispiel Verfolgte anderer Regime aufzunehmen, und ihnen eine Möglichkeit zum Neuanfang zu bieten. Sie nicht zurück zu schicken in das Elend, dem sie zu entkommen versuchen.

Das ist sehr wenig im Vergleich zu dem Mut, den ein Mädchen in Todesgefahr aufbrachte, um ihr Leben in einem Versteck in einem Hinterhaus weiter zu leben. Etwas von Annes Mut und Liebe und ihrem unerschütterlichem Glauben daran, dass das Leben ein Geschenk ist, sollte es uns erlauben, die ganze Geschichte Deutschlands, unsere Geschichte, gegenwärtig zu halten, sie auszuhalten und weiterzugeben – und zwar zusammen mit der Hoffnung, dass wir immer die Wahl haben, zu sein, wer wir sein wollen.

Anne Frank, Sophie Scholl, Dietrich Bonhoeffer – sie waren nicht nur Licht in ihrer eigenen, sondern ein Vermächtnis auch an unsere Zeit.

Annes Tagebuch ist ein Geschenk, keine Bürde. Es gehört in den Schulunterricht. Es gehört zum kulturellen Erbe unserer Kinder.

reweaving the fabric of time

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i have committed to the practice of exchanging, if only for 3.141592653 minutes a day, now for then, up for down and today for yesterday

so when, during those 3.141592653 minutes, i see my hand guiding a pen over the paper, rather than to follow the steady progress of a new drawing, i see it erased line by line, and am rewarded by the promises of a work just envisioned, not yet constraint by its execution,

when i scan the sky for vaporous messages of ominous prophecies instead of wilting under the weight of a heaven i care not to imagine i look down into the vast expanses of the deep oceanic universe consisting of the probabilities of its continuable or discreet measurable properties, energy, position, momentum, angular momentum, and i escape, if only for a moment, the inescapable urge of the common mind to inject the holy into the profane as described so aptly by eliade

and, at last, when i walk the well-known streets that carry the contagion of my own history continuously infecting my present with meaning like an obsession i backtrace and erase the past step by step to acquire a new sense of what this place could be if it was not what it is already.